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Geld für den Stillstand: Warum Windkraftbetreiber auch ohne Stromproduktion entschädigt werden
Wenn man an windreichen Tagen auf dem Galgenberg spazieren geht, kann man rund 30 Windräder sehen. Auffällig ist allerdings, dass sich längst nicht alle drehen. Der Grund dafür liegt unter anderem in den begrenzten Kapazitäten des Stromnetzes. Wenn das Netz den produzierten Strom nicht aufnehmen kann, müssen einzelne Windkraftanlagen abgeregelt oder vorübergehend abgeschaltet werden, um eine Überlastung des Netzes zu verhindern. Die Betreiber erhalten für diesen erzwungenen Stillstand eine Entschädigung.
Das sogenannte Netzengpassmanagement verursacht für die Stromverbraucher erhebliche Kosten. Zuletzt lagen die Kosten in Deutschland bei rund drei Milliarden Euro pro Jahr. Gleichzeitig sollen zu den zahlreichen Windrädern, die sich an windreichen Tagen in Villmar und Umgebung bereits nicht drehen, weitere Anlagen hinzukommen. Für die Betreiber scheint es sich also zu lohnen neue Windräder aufzustellen auch wenn davon auszugehen ist das der erzeugte Strom zeitweise nicht gebraucht wird.
Finanziert werden die Kosten des weiteren Netzausbaus und des Netzengpassmanagements letztlich über die Stromkunden, unter anderem über die Netzentgelte, die einen festen Bestandteil der monatlichen Stromrechnung bilden. Solange die Stromnetze nicht ausreichend ausgebaut sind, bleibt das Abregeln von Windkraftanlagen ein wichtiges Mittel, um das Stromnetz stabil zu halten.
Doch auch wenn Windstrom tatsächlich ins Netz eingespeist wird, können weitere Kosten entstehen. Bei schwankenden Börsenstrompreisen erhalten Betreiber im Rahmen der sogenannten Marktprämie einen Ausgleich zwischen dem erzielten Börsenstrompreis und dem ihnen zugesagten beziehungsweise anzulegenden Wert pro Kilowattstunde. Diese Förderung wird inzwischen aus Mitteln des Klima- und Transformationsfonds (KTF) finanziert, der unter anderem durch Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung gespeist wird.
Für die Verbraucher bedeutet das: Die Kosten der Energiewende werden über verschiedene Wege weitergegeben – beispielsweise über die Netzentgelte und über die CO₂-Bepreisung. Das wird sich erst grundlegend ändern können, wenn die Stromnetze so weit ausgebaut sind, dass sie den Strom aus Wind- und Solaranlagen jederzeit aufnehmen und transportieren können.
Bis dahin bleibt die Frage, wie schnell der notwendige Netzausbau tatsächlich vorankommt. Eines scheint jedoch klar: Mit einem schnellen und deutlichen Rückgang der Strompreise in Deutschland ist unter diesen Bedingungen kaum zu rechnen.
© Villmarer-Zeitung
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